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Dein Pferd läuft dir davon? Dann hast du es unter dir – nicht vor dir.

copywriting68
vor 2 Tagen
3 Min. Lesezeit

Du treibst – und dein Pferd wird schneller statt besser. Es drückt gegen die Hand, die Tritte werden kurz und eilig. Viele Reiter halten dann fest. Damit haben sie ihr Pferd unter sich. Aber nicht vor sich.

Ein Pferd unter sich zu haben ist nicht schwer. Es so zu entwickeln, dass es irgendwann vor dir läuft, ist Ausbildung. Und das hat viel mit Physik zu tun.


Grußaufstellung
Grußaufstellung am Hinterbein

Das Pferd ist vorne schwer gebaut

Ein Pferd trägt im Stand rund 60 % seines Gewichts auf der Vorhand. Eine biomechanische Studie errechnet für trabende Pferde einen Vorhandanteil von 58,7 %. [1] [2]

Dazu kommt: Das Pferd hat kein Schlüsselbein. Die Vorhand ist nur über Muskeln und Bänder mit dem Rumpf verbunden. [2] Der Rumpf hängt also zwischen den Vorderbeinen.

Ohne Ausbildung liegt der Schwerpunkt vorne. Das Pferd läuft dann gewissermaßen seinem eigenen Gewicht hinterher.


Warum Treiben dann nur schneller macht

Die Kraft eines Pferdes entsteht in der Hinterhand. Damit sie vorne ankommt, muss sie über den Rücken nach vorne geleitet werden. Die Lendenwirbelsäule bildet dabei eine Brücke zwischen Hinterhand und Vorhand. Sie muss beweglich sein, sonst kann sie die Energie nicht weiterleiten. [2]

Ist der Rücken fest oder weggedrückt, kommt der Schub nicht dort an, wo er hin soll. Laut Anne Schmatelka stoßen solche Pferde gegen die Reiterhand, nehmen keine Last auf, und der Reiter kann weder richtig sitzen noch treiben. [5] Wo sie recht hat hat sie recht, obwohl ich kein großer Fan von ihrer sehr anklagenden Art bin, die sie in den Social Media Kanälen an den Tag legt - aber das ist ein anderes Thema. Die Richtlinien halten zudem fest: Wird das Tempo zu hoch, leidet der Schwung – auch wenn der Takt stimmt. Das Pferd macht schnellere, kürzere Tritte. [6]


Der Rücken funktioniert wie Pfeil und Bogen

Anatomen beschreiben den Pferderumpf als Bogen-Sehnen-Brücke. Die Brust- und Lendenwirbel bilden den Bogen. Brustbein und gerader Bauchmuskel bilden die Sehne. [3] Senkt das Pferd Kopf und Hals, zieht das Nackenband am Widerrist, und der Rücken wölbt sich auf. [2] [4] Die Rückenmuskulatur selbst ist eigentlich nicht zum Tragen eines Reiters gebaut. Ohne arbeitende Bauchmuskeln kann sich die Brücke nicht bilden, und die Rückenmuskulatur verspannt sich. [4]


Deshalb beginne ich nicht bei der Anlehnung

Für mich geht es in der Basisarbeit gar nicht darum, ob die Anlehnung schon perfekt ist. Zuerst muss das Pferd im Takt sein. Es muss loslassen, sich wohlfühlen und anfangen zu schwingen.

Erst dann kann man daran arbeiten, dass das Pferd zum Gebiss geht und die Dehnungsbereitschaft annimmt. Und erst dann habe ich als Reiterin überhaupt die Möglichkeit, das Pferd zum Gebiss hinzutreiben – ohne dass es wieder beginnt, davonzulaufen.

Auch die Richtlinien sagen: Die Losgelassenheit kommt zuerst. Ohne sie kann sich kein Schwung entwickeln. [6]

Bei jungen Pferden arbeite ich deshalb immer im Tempo des Pferdes. Die Basis muss stimmen: Vertrauen, Losgelassenheit und korrekte Grundgangarten. Erst dann kann sich alles Weitere entwickeln.


Unter dir oder vor dir?

•           Unter dir: Der Rücken hängt durch, das Gewicht liegt vorne. Das Pferd eilt, die Hand hält fest.

•           Vor dir: Die Kraft kommt aus der Hinterhand, läuft über einen schwingenden Rücken nach vorne und wird von der Hand aufgenommen.

Der Weg dorthin heißt Ausbildung. Er beginnt beim Takt.


Und was hat das mit dem Sattel zu tun?

Ein Pferd kann seinen Rücken nur aufwölben, wenn ihn nichts daran hindert. Druck, Verspannungen und Taktfehler können auch vom Sattel kommen. Ich empfehle einen Sattel-Check alle 6–8 Monate oder immer dann, wenn sich dein Pferd verändert.


Über mich

Seit 30 Jahren bilde ich Pferd-Reiter-Paare aus. Ich bin staatlich geprüfte Trainerin Dressur und geprüfte FN-Sattelspezialistin. Über 24 Pferde habe ich bis zur Klasse S ausgebildet, 10 davon bis zum Grand Prix – viele vom jungen Pferd an. Mein Beritt ist am Gutenhof in Himberg.



Dein Pferd läuft dir davon? Schreib mir per WhatsApp: +43 664 322 8888.

•           Beritt & Pferdeausbildung → tamara-brandner.at/pferdeausbildung

•           Reitunterricht → tamara-brandner.at/reitunterricht

•           Sattel-Check → tamara-brandner.at/sattel-check

Deine Tamara



Quellen

1.         Hobbs, Richards & Clayton (2014): The effect of centre of mass location on sagittal plane moments around the centre of mass in trotting horses. Journal of Biomechanics 47(6). https://knowledge.lancashire.ac.uk/id/eprint/11344/

3.         DocCheck Flexikon: Rumpfkonstruktion. https://flexikon.doccheck.com/de/Rumpfkonstruktion

4.         Equisense: Bauch- und Rückenmuskulatur des Pferdes. https://blog.equisense.com/de/bauch-und-rueckenmuskulatur-pferd/

5.         Anne Schmatelka: Der Rücken muss hoch! https://www.hippothek.de/pdf/R-cken-unten--Ausbildung-Der-R-cken-muss-hoch-.pdf

6.         USDF: Impulsion (mit Zitaten aus den FN-Richtlinien „Principles of Riding“ und dem „Practical Dressage Manual“). https://usdf.org/EduDocs/Training/POT_Impulsion1.pdf

 
 
 

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